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Erwerbsleben, davor, danach und mittendrin im Job
Job kündigen, Ackerbaubetrieb gründen - Utopie oder Wirklichkeit?
geschrieben von: sparhein (IP-Adresse bekannt)
Datum: 17.01.2018 13:35

Ich spinne mal ein bisschen rum und ihr hört einfach erstmal zu:

Angenommen ich entsage mich dem 9 to 5 Job, suche mir einen leerstehenden Bauernhof und widme mich von nun an dem Ackerbau, lebe glücklich in meinem kleinen Höfchen, autark sowie endlich zufrieden da ich einer Arbeit nachgehe die mir Spaß macht - ergo: mehr Lebensqualität.
Meint ihr ich würde gnadenlos scheitern ob der zu geringen Erfahrung oder ist dieses Lebensmodell eines welches jeder Mensch annehmen kann, natürlich nur wenn dementsprechend hart gearbeitet und alles von der Pike auf erlernt wird?
Ist sowas heutzutage überhaupt noch möglich oder durch strenge Reglementierung von 'denen da oben' eine ewig währende Wunschvorstellung?

Ich überlege tatsächlich einen Bauernhof zu kaufen, das nötige Wissen muss ich mir aneignen, belese mich bereits seit Wochen über Ackerbau und was so alles dazugehört, ein Startkapital habe ich auch für die wichtigsten Maschinen, weit komme ich damit allerdings auch nicht - vllt einen Geldgeber suchen?

Wäre schon mal Rückmeldung von ein paar Landworten zu bekommen, wie es denn heutzutage so ist einen Landwirtschaftsbetrieb zu führen.
Wie habt ihr euch das aufgebaut - Quereinsteiger oder damit aufgewachsen?

Re: Job kündigen, Ackerbaubetrieb gründen - Utopie oder Wirklichkeit?
geschrieben von: strega (IP-Adresse bekannt)
Datum: 17.01.2018 17:14

Grüss dich!

Nen 9 to 5 Job würd ich auch schon ne Weile nicht mehr machen wollen auf Dauer.... will ja noch einige andere Sachen machen im Leben, nicht nur arbeiten ;-)

Weiss nicht ob hier im Forum so viele Haupterwerbslandwirte unterwegs sind. Ein paar mehr dieser Sorte, aber auch ganz viele, die mehr oder weniger Selbstversorger sind, triffst du auf www.selbstvers.org, auch ein tolles Forum mit vielen praktischen Leuten.

Ich mach Hobby-Selbstversorgung ohne finanzielle Verdienstambitionen... aber ist auch schon mal toll, wenn ich so dreiviertel vom Jahr so gut wie nix zukaufen muss an Obst und Gemüse und sonst auch nur recht wenig. Ist ne enorme Freiheit und Freude macht es mir unbändig!!!

Alles Gute auf deinem Weg!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 17.01.18 17:15.

Re: Job kündigen, Ackerbaubetrieb gründen - Utopie oder Wirklichkeit?
geschrieben von: Hobbygaertnerin (IP-Adresse bekannt)
Datum: 17.01.2018 18:12

Ich möchte dich bei deinen Träumen nicht stören,
was würdest du denn erzeugen, bzw. verkaufen wollen? Welche Grösse sollte dein Ackerbaubetrieb haben?
Kann nicht beurteilen, ob du dir aus Büchern genug Wissen anlesen kannst, Landwirtschaft ist kein leichtes Pflaster.
Wie könntest du das vorhandene Wissen mit deinem Traum verbinden ?

Avatar Re: Job kündigen, Ackerbaubetrieb gründen - Utopie oder Wirklichkeit?
geschrieben von: orinoco (IP-Adresse bekannt)
Datum: 17.01.2018 19:57

Also in meiner Familie gibt es schon Erfahrungen mit dem Versuch Bio-Landwirt im Haupterwerb zu werden. Meine Großeltern haben das schon in den 1930er Jahren versucht - ohne nachhaltigen Erfolg. Ironischerweise war die beste Zeit die Nachkriegszeit vor der Währungsreform, wo Lebensmittel einen viel höheren Wert hatten. Danach ging es nur noch bergab. Am Ende waren beide Großeltern wieder erwerbstätig und das bis zur Rente. Gut das war in den 1950er bis Anfang der 1970er. Und die Randbedingungen hätten auch günstiger sein können (besserer Standort vom Boden und vom Klima, mehr Geschäftssinn und Pragmatismus bei meinem Opa).

Aber um mal ein aktuelles Beispiel mit optimalen Randbedingungen zu bringen: ein Biobauer hier in der Vorderpfalz bei Neustadt/Weinstraße (also DER Gemüsegarten Deutschlands) findet keinen Nachfolger. Bessere Böden und besseres Klima gibt es in Deutschland fast nicht. Das Land ist dazu flach und leicht zu bearbeiten. Neustadt liegt mit Wochenmarkt und Naturkostladen und Bio-Szene in unmittelbarer Nähe. Eigentlich ein optimaler Standort. Und trotzdem hat sich niemand gefunden der weitermachen will. Aus der Not heraus hat sich "Solawi" gegründet, eine Art Genossenschaft die Teile des Landes weiter zum Anbau nutzt.

Es ist also alles andere als einfach heute selbst im Bio-Bereich landwirtschaftlich auf einen grünen Zweig zu kommen. Die Ansprüche sind eben auch hier gestiegen. Obst und Gemüse mit kleinsten Fehlern will heute keiner mehr kaufen. Alte Obst- und Gemüsesorten sind nicht handelsfähig. Dazu die Billig-Bio-Konkurrenz der Discounter und die zunehmende Entfremdung der jüngeren Generationen von der Natur und der Landwirtschaft (manche wissen nicht mal, das Nüsse auf Bäumen wachsen).

Meiner Meinung nach besser noch ein paar Jahre den 9to5-Job machen und Rücklagen bilden, dass man sich früher zur Ruhe setzen kann, vor allem wenn man einen Job hat und der einen nicht krank macht. Letzteres ist ja auch nicht mehr selbstverständlich.

Re: Job kündigen, Ackerbaubetrieb gründen - Utopie oder Wirklichkeit?
geschrieben von: ohnesalzstreuer (IP-Adresse bekannt)
Datum: 18.01.2018 14:02

orinoco schrieb:

> Meiner Meinung nach besser noch ein paar Jahre den 9to5-Job machen und
> Rücklagen bilden, dass man sich früher zur Ruhe setzen kann, vor allem
> wenn man einen Job hat und der einen nicht krank macht. Letzteres ist
> ja auch nicht mehr selbstverständlich.

Oder - andre Variante - Teilzeit arbeiten. So hast du ein Einkommen und Zeit, dich in die Landwirtschaft einzuarbeiten. Dann kannst du auch existenzsicherer ausprobieren, ob dein angelesenes Wissen praxistauglich ist. Je mehr du dann von dem Hof leben kannst, desto weniger brauchst du (fremd) arbeiten gehen.

Re: Job kündigen, Ackerbaubetrieb gründen - Utopie oder Wirklichkeit?
geschrieben von: Biggy (IP-Adresse bekannt)
Datum: 20.01.2018 08:44

Ich frage mich wieso immer mehr kleine Betriebe keinen Nachfolger finden. Am besten kannst du das herausfinden, wenn du Kontakt mit Bauern suchst, denn am Nachfolgermangel allein kann es auch nicht liegen.
Theoretisches Wissen ersetzt noch lange nicht die langjährige Praxis u. Landwirtschaft ist extrem wetterabhängig. Tierarzt u. Reparaturkosten der Maschinen, Ernteausfälle, EU-Vorschriften....Buchhaltung....mein Schwiegervater war Bauer.
Die Schweinepreise fielen in den Keller, jahrelang war es gut-aufgegeben u. sich auf das Obst u. Brennen spezialisiert. Dann kam der Feuerbrand u. die befallene Plantage musste vernichtet werden-wieder Kosten das aufzubauen. Keiner hat das übernommen-obwohl einer der Jungs 3 Jahre Landwirtschaftsschule hatte, alles verpachtet.
Das Geld wird andersweitig verdient u. auf dem verbliebenen für den eigenen Bedarf angebaut u. einige Tiere gehalten.
Hast du einen Partner der seine Energie mit hineinstecken will u. Helfer die im Bedarfsfall mit anpacken können? Sonst hat auch eine Überlegung in diese Richtung wenig Sinn.
Ich habe hier auch so jemanden sitzen, der mir das alles in schönsten Farben schmackhaft machen wollte, aber einen Stall nur von außen kennt, es ist harte Arbeit ohne Feiertag, da kann ich nicht sagen morgen wenn das Wetter dann schlecht wird u. ich sage immer: Zuerst mal eine Weile auf einem Hof mitarbeiten, dann reden wir weiter. Man muss es auch schaffen mal ein Huhn, Hasen oder Schwein zu töten u. zerlegen zu können.

Biggy



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 20.01.18 09:23.

Re: Job kündigen, Ackerbaubetrieb gründen - Utopie oder Wirklichkeit?
geschrieben von: Hilde (IP-Adresse bekannt)
Datum: 22.01.2018 00:24

Fang mal mit einem Gartenbeet an oder "Gemüse auf der Fensterbank" bzw.Balkon.
Es gibt auch Mietbeete..Gemeinschaftsgärten und suche Kontakt zu Landwirten, ob du mal mithelfen und so Eindrücke gewinnen kannst.
So von Null auf Hundert ist meist recht romantisch die Praxis schaut anders aus.
Und Selbstversorgung kostet zuerst mal sehr viel Geld, bis sie läuft.Es gibt bestimmt auch Gärtner/Bauern die mit dir gegen Mithilfe ihr Wissen teilen.

Liebe Grüße
Hilde
Dieser Beitrag ist fehlerfrei; Ausnahmen bestätigen die Regel.

Du bist was Du denkst und was Du denkst strahlst Du aus. Und was Du ausstrahlst ziehst Du immer unweigerlich an.

Avatar Re: Job kündigen, Ackerbaubetrieb gründen - Utopie oder Wirklichkeit?
geschrieben von: Elschen (IP-Adresse bekannt)
Datum: 22.01.2018 13:01

Meine Schwägerin kommt aus einer Landwirtsfamilie, ist auf dem Bauernhof groß geworden.
Wir haben uns häufig über das Leben dort unterhalten und eins sag ich vorweg - man stellt es sich oftmals romantischer vor als es eigentlich ist.
Landwirt zu heißt eben nicht mit dem Krähen des Hahns gemütlich aufzustehn, zu frühstücken und dann ab raus bei strahlendem Sonnenschein die Ernte einfahren, zwischendurch Brotzeit am eigenen Teich und um 6 Feierabend...

Nein, einen Landwirtschaftsbetrieb zu führen bedeutet Knochenarbeit, wenig Schlaf - vor allem während der Erntezeit - man muss viel zurückstecken mit dem Privatleben, ein okayes Einkommen (wenn gewünscht) ist gerade in den ersten Jahren nicht garantiert.
Aber es lohnt sich, du hast mehr Freiheit, arbeitest für dich selbst, bist weitestgehend autark und spürst generell keinen gesellschaftlichen Druck mehr der dir ständig im Nacken sitzt und sagt 'du musst mehr leisten in kürzerer Zeit'.

Die größte Herausforderung ist deine fehlende Erfahrung.
An deiner Stelle würde ich mir ein Ziel setzen, zum Beispiel "In genau 3 Jahren kaufe ich einen Bauernhof auf und starte die Selbstversorgung" und arbeitest von nun an stetig darauf hin.
Im Detail bedeutet das dass du dir ein größeres finanzielles Polster ansparen solltest,(Fach-)Literatur zulegen und studieren, dich mit Erfahrenen austauschen etc.
Der ProAgrar Verlag zum Beispiel bringt einmal monatlich ein Paper heraus zu unterschiedlichen Themen, für dich interessant wäre da zum Beispiel "Der Ackerbau-Profi" oder "Der Bio-Landwirt".
Muss man bestellen und bekommt dies dann per Post zugesendet soweit ich weiß.
Kostet allerdings was, wurde aber auch von Experten geschrieben.
Link dazu häng ich an:

https://www.proagrar-verlag.de/shop/

Auch hat die Landwirtschaftskammer eine PDF zum Thema "Existenzgründung in der Landwirtschaft und im Gartenbau" herausgebracht, sehr ausführlich:

https://www.landwirtschaftskammer.de/gartenbau/beratung/pdf/gruendunglandwirtschaft.pdf


Was ich dir noch empfehlen kann ist ein Buch aus den 50ern, du findest es unter dem Namen "Der Jungbauer : Ein Lehr- u. Arbeitsbuch f. landwirtschaftl. Berufsschulen", herausgegeben vom Verband landwirtschaftlicher Berufsschullehrer Bayerns e.V..
Alter Schinken, jedoch äußerst lehrreich.


Landlive.de ist eine der größten Communitys für (junge) Landwirte, da solltest du auch mal vorbeischauen.
Ansonsten kannst du dich noch an lokale Verbände wenden.


Wie nun schon mehrmals erwähnt wurde würde ich nicht ohne ein gutes Startkapital beginnen, auch halte ich nicht viel davon wenn du dir Geld leihst, dann bist du ja doch wieder von jemandem abhängig bzw kommst in Not wenn das Geld nicht gleich so fliesst wie du es dir vorgestellt hast.
Zumal dann auch wieder der Sinn von "autark leben" verfehlt ist.



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