
Glück vom Konsum abkoppeln
schöner Text aus der Taz:
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taz - 21.07.2008
Glück vom Konsum abkoppeln
Leben ohne Rohstoffe? (III): In Europa haben wir vor 40 Jahren mit einem Viertel des heutigen Energieumsatzes pro Person ziemlich gut gelebt. Dahin müssen wir zurück
An unendliches Wachstum in einer endlichen Welt glauben nur Verrückte und Ökonomen (Kenneth Boulding, Ökonom, 1910 bis 1993)
Die Konsumbedürfnisse werden weltweit wachsen - und damit die Umweltbelastungen. Einmal mehr soll die Technik das Problem lösen. Versucht wird die Quadratur des Kreises: "Maschinen arbeiten für das Wachstum", schreiben die VDI-Nachrichten.
Dass just dieses Wachstum das Problem sein könnte, wird immer noch verdrängt, obgleich schon das EU-Weißbuch 1993 auf unser falsches Entwicklungsmodell aufmerksam machte: Wir rationalisieren seit 200 Jahren in ungebremstem Tempo, ersetzen menschliche Arbeitskraft durch Energie- und Rohstoffaufwand und handeln uns damit Arbeitslosigkeit und Umweltkrise gleichzeitig ein. Zudem pflegen wir einen Innovationswahn: Statt die Technik auf die wesentlichen Lebensbedürfnisse zu beziehen, erfinden wir laufend neue Spielzeuge. Um diese dann zu vermarkten, werden bis dahin nicht existierende Bedürfnisse durch die Werbung neu erzeugt.
Ein Beispiel ist der Fetisch Auto. Ein Pkw setzt nur 10 bis 15 Prozent des Sprits in Fahrleistung um und transportiert mit einem Gewicht von 1,5 Tonnen lärmend durchschnittlich 150 Kilo - zum "Fahrspaß". Autos binden etwa 20 Prozent der Ingenieurskapazität und sind für einen großen Teil der inzwischen lebensgefährlichen CO2-Emissionen verantwortlich. Seit 1990 steigt die Zahl der Pkws auch in den "Schwellenländern" rasant an.
Jetzt suchen wir nach technischen Patentlösungen, die diesen Lebensstil auf 6,5 Milliarden Menschen übertragbar machen sollen. Die Liste reicht von der CO2-Abscheidung über Atom- oder Fusionsreaktoren, wasserstoffbetriebene Autos und Flugzeuge bis hin zur Nano- und Gentechnologie. Erwartet werden, wie fast täglich in den Medien vorgeführt, technische Wunder. Unsere "Wunder der Technik" aber sind das Ergebnis einer beispiellosen Verschleißwirtschaft. Sie basieren auf fossilen Energieressourcen und unbegrenzter Vermüllungsbereitschaft. Doch selbst auf dieser Basis hat die Technik ihre Versprechen nicht gehalten: Weder haben wir die "Dematerialisierung" durch IT-Technik - dem "papierlosen Büro" fallen mehr Bäume zum Opfer als je zuvor - noch die 4.000 Kernreaktoren, die uns im Jahre 2000 gefahrlos Strom im Überfluss liefern sollten. Vom versprochenen Glück durch immer mehr Konsum nicht zu reden.
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