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Philosophie : Knausererforum
der Genügsamkeit / des Knauserns, Gedanken zum Nachdenken über das Knausern, den einfacher Lebensstil, Ziele, Lebensgestaltung, Träume, Utopien
Avatar Was ist Normalität
geschrieben von: derknausererat (IP-Adresse bekannt)
Datum: 01.06.2020 10:27

Normalität (von Christoph Sieber)

Immer wieder lese ich in den letzten Tagen, dass es Zeit sei in die Normalität zurückzukehren. Und da frage ich mich: In welche Normalität?
Mein Nachbar sagt: So wie es halt vorher war.
Und ich: echt jetzt? So wie bisher?
Ich wünsche mir sehr, dass nicht alles wird wie vorher. Denn dieses Vorher war doch mitverantwortlich dafür, dass eine Pandemie die Welt aus den Angeln heben konnte.
Uns fällt doch vor die Füße, was bisher schiefgelaufen ist:
Dass in den Krankenhäusern Pflegekräfte fehlen.
Dass die Schulen marode, die Lehrkräfte knapp und nicht mehr die Jüngsten.
Dass die Digitalisierung vielerorts in den Kinderschuhen steckt.
Dass Erzieherinnen in Kindergärten und Kitas so schlecht bezahlt werden.
Dass Spargelhelfer und MitarbeiterInnen in den Schlachtbetrieben unter widrigen Bedingungen ihrer Sklavenarbeit nachgehen müssen.
Dass erwartet wird, dass Pflegeheime und Krankenhäuser Rendite abwerfen.
Dass die Zustände in vielen Altenheimen schon im Normalbetrieb die Würde des Menschen verletzten.
Dass dort produziert wird wo es am günstigsten ist und nicht dort, wo die Lieferung gesichert ist.
Dass nicht dort hergestellt wird, wo auch Arbeits- und Menschenrechte gesichert sind.
Dass 90% aller Wirkstoffe für die Medikamentenherstellung in nur zwei Ländern produziert werden.
Dass das Globalisierungsregime nicht die Bedürfnisse der Bevölkerung im Blick hat, sondern die Profite von Großkonzernen.
Dass der Markt vieles regelt, aber halt nicht das, was Menschen wirklich brauchen.
Wir können nicht ignorieren, dass die Welt von der Corona-Pandemie so hart getroffen wird, weil unsere Art des Lebens und des Wirtschaftens ein hervorragender Nährboden sind.
So viele Fragen sind unbeantwortet:
Wie kann es sein, dass eine Wirtschaft zusammenbricht, nur weil in ein paar Monaten mal nicht so viel konsumiert wird von dem Zeug, das wir gar nicht brauchen?
Warum halten es einige Lehrer selbst nach Wochen des Homeschoolings nicht für nötig, einen Lösungsweg mal auf Video aufzuzeichnen?
Warum sind Schulen nicht längst darauf vorbereitet neben Büchern auch IPads zu verleihen?
Warum sind Menschen so unterschiedlich viel wert?
Wieso werden Autokonzerne subventioniert, die Milliarden an Aktionäre auszahlen?
Warum ist bisher keinem aufgefallen, dass das Streben nach einem schlanken Staat unweigerlich zu einem kranken, hilflosen, überforderten Staat führt?
Und wie kann es passieren, dass ein veganer Koch, ein irrer Sänger und ein durchgeknallter Presseausweisbesitzer zu geistig und moralischen Hoffnungsträgern für einige werden konnten?
Was ist denn normal?
Normal ist, dass Faschisten im Bundestag sitzen.
Dass Seenotretter Kriminelle genannt werden.
Dass wir die Luft verpesten und Bäume roden und in Bereiche vordringen, in denen Viren lauern, für die der Mensch nicht gemacht ist.
Normal ist auch, dass ein Prozent der Weltbevölkerung so viel verdient wie der Rest zusammen.
Normal ist, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken, dass Rassisten des Diskurs bestimmen und normal ist auch, dass einer wie Andreas Scheuer tatsächlich ein Ministeramt inne hat.
Normal ist, dass wir in einem zerstörerischen Wirtschaftssystem leben, von dem nur wenige profitieren.
Dass das Gemeinwohl hinter dem Wohl einiger Gemeiner hintanstehen muss.
Dass wir in einem System leben, in dem konsequent Verluste sozialisiert und Gewinne privatisiert werden und in dem Marktgesetze wie Naturgesetze behandelt werden.
Dass der Warenfluss nicht dem Menschen dient, sondern der Mensch selbst zur Ware geworden ist.
Und dass wir gegen die Erde leben anstatt mit und in ihr.
Wenn wir die Hygiene-Demonstrationen sehen, dann zeigt sich doch eines überdeutlich: eine Entfremdung. Eine totale, komplette Entfremdung vom Staat und seinen Institutionen.
Und man kann jetzt natürlich sagen: Deren Problem. Aber es ist nicht deren Problem. Es ist unser aller Problem. Eine Gesellschaft funktioniert nur, wenn sie eine Gesellschaft der vielen ist. Am besten sogar eine Gesellschaft aller.
Wenn wir jetzt in die sogenannte Normalität zurückkehren wollen, dann sollten wir uns schleunigst darüber unterhalten wie diese zukünftige Normalität aussehen soll. Es ist Zeit für eine neue Form des Miteinanders. Statt Ausbeutung eine ganz neue Form der internationalen Solidarität. Wir überdenken den Wert von Arbeit und finden heraus, was wirklicher Wohlstand ist. Und es ist auch Zeit, dass wir uns damit beschäftigen wie wir die Kluft zwischen arm und reich überwinden. Es ist Zeit für eine ernsthafte Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen.
Und wir finden eine ganz neue Form des Wirtschaftens – weg von der Ausbeutung von Natur und Mensch, die das Wesen des Menschen in vielerlei Hinsicht pervertiert.
Was die Erkenntnis aus Corona ist: Es darf kein „Weiter so“ geben.
Was auf Corona folgen wird: Weiter so.
Es könnte gut sein, dass unsere Enkel die jetzige Krise als „die gute alte Zeit“ bezeichnen werden.

Re: Was ist Normalität
geschrieben von: ohnesalzstreuer (IP-Adresse bekannt)
Datum: 01.06.2020 18:13

Auf den Punkt!

..............................................

Gruß, ohnesalzstreuer [miteigenenhaenden.wordpress.com]

Nein, ich verdiene damit kein Geld. Ich will meinen Lesern zeigen, dass man auch ohne viel Geld auszugeben, z.B. durch Selbermachen, Reparieren, Ersetzen von Einweg- und Wegwerfartikeln, Verwenden von vorhandenen Dingen anstatt neue Sachen zu kaufen u.s.w., gut klarkommen kann.

Re: Was ist Normalität
geschrieben von: swisslady (IP-Adresse bekannt)
Datum: 03.02.2021 20:16

man sollte innerlich mal anhalten und sich selber fragen was will ich
Unsere Gesellschaft rennt und rennt und rennt ohne sich zu fragen wohin sie überhaupt rennt.
Es hat schon einen Vorteil aber das ist aber auch der einzig
mal sich zu entschleunigen die die es noch nicht getan haben.
was ich falsch finde ist der Umgang damit es darf nicht sein das Firmen pleite gehen müssen die Mittelschicht an die Wand gefahren wird der reiche noch reicher wird und der arme noch ärmer.
wir sollten uns zurück besinnen weg vom dem billiger und mehr und ich denke das kann hier jeder nachvollziehen.
doch der Rest scheint es nicht verstanden zu haben und das ist das fatale an der Sache
es ist als würde ein Teil der Menschheit nach dem Motto
nichts sehen nichts hören nichts sagen leben dissappointed

Re: Was ist Normalität
geschrieben von: deepwater (IP-Adresse bekannt)
Datum: 19.02.2021 18:32

Während des Rennens, also wenn man wirklich Gas gibt und nicht nur ein bisschen schlendert, ist man in der Regel auch so ausgelastet, dass man nicht in der Lage ist besonders viel und intensiv nachzudenken. Man rennt halt und fühlt sich gehetzt. Und diesen Zustand kann man offensichtlich erstaunlich lange aufrecht erhalten ohne dass eine kritische Masse umkippt.

Entschleunigen sagt sich einfach, ich denke, nur wenige haben das Glück ihr Leben wirklich entschleunigen zu können. Andere stecken im Hamsterrad fest und sehen für sich keinen Ausweg, sind aber gleichzeitig (noch) nicht ausgebrannt genug um sich nicht mehr im immer selben Kreislauf bewegen zu können.

Ob "die anderen" wirklich nicht verstanden haben, dass es eine Kehrtwende braucht, weiß ich nicht. Vielleicht ist das teilweise so, aber andererseits muss man auch in gewisser Hinsicht privilegiert sein, um eine Kehrtwende auch in der Praxis und nicht nur in der Theorie realisieren zu können.

Re: Was ist Normalität
geschrieben von: strega (IP-Adresse bekannt)
Datum: 19.02.2021 19:21

deepwater schrieb:

> Entschleunigen sagt sich einfach, ich denke, nur wenige haben das
> Glück ihr Leben wirklich entschleunigen zu können. .........


> Ob "die anderen" wirklich nicht verstanden haben, dass es eine
> Kehrtwende braucht, weiß ich nicht. Vielleicht ist das teilweise so,
> aber andererseits muss man auch in gewisser Hinsicht privilegiert
> sein, um eine Kehrtwende auch in der Praxis und nicht nur in der
> Theorie realisieren zu können.

wo ein Wille ist, ein wirklicher Wille, ist auch ein Weg.... oder mehrere sogar....
privilegiert bin ich vielleicht sogar echt in dieser Hinsicht.... bin nicht kreditwürdig für keine Bank, muss von daher auch nicht jahrhundertelang irgendwelche komischen Kredite abstottern für Sachen, die ich eh nicht brauche, muss von daher nicht eine Wahnsinnssumme jeden Monat erwirtschaften und von daher nicht ständig 200 Stunden aufwärts jeden Monat malochen, muss keine Statussymbole durch die Gegend fahren und niemanden beeindrucken mit irgendwelchem Trallala, was eigentlich völlig unwichtig ist im Leben, weil es nicht wirklich glücklich macht und von Herzen kommt.... boha, jaaa, ich bin echt privilegiert

hab einen wunderbaren Hund, hab zu essen, sogar meist bio und oft gratis, zahl keine Miete, musste mich aber auch nicht jahrzehntelang abkaspern für ein sogenanntes Eigenheim, ess viel aus der Natur, kostet nix und ist gesünder als viele vergiftete Zuchtsalätchen ausm Supermarkt, hab echte FreundInnen, fühl mich gesegnet und beschützt, auch in dieser komischen Zeit, brauch mich weder irre machen lassen vor Angst noch Impfen lassen, hab immer ein Dach überm Kopf wenn ichs brauch und lern beim Arbeiten, wenn ich mal arbeite paar Monate hin und wieder richtig tolle Menschen kennen, bin verbunden mit dem Universum und mit der Liebe, immer mehr, und pfleg das, freu mich über die Sonne, den Bärlauch der bald wächst, liebe Menschen, dass ich immer genug Geld habe zum Leben, dass alles irgendwie passt, auch wenn ich manchmal zweifle....

ist das ein Privileg? Naja, vielleicht schon.... danke dass ich das jetzt so sehen kann, war mir vorher noch nicht so klar love



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