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Philosophie : Knausererforum
der Genügsamkeit / des Knauserns, Gedanken zum Nachdenken über das Knausern, den einfacher Lebensstil, Ziele, Lebensgestaltung, Träume, Utopien
Sich selbst beknausern ...
geschrieben von: fischkopp (IP-Adresse bekannt)
Datum: 13.08.2015 16:11

Hallo zusammen,

Bewusster Konsum ist toll. "Shoppen gehen" find ich eh unattraktiv verbrachte Freizeit und daher trifft sich das ganz gut.
Gestern hat eine Arbeitskollegin auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für ihren Mann in der Mittagspause drei Paar Highheels ergattert. Große schrille Dinger, die zu keinem meiner Kleidungsstücke passen und die mir zu "un-universell" wären.
Ich habe insgesamt nur 3 Paar Sommerschuhe (1mal schwarze Arbeitssandalen, 1mal schwarze Pumps und meine Freizeitsandaletten).
"Wofür arbeitest du eigentlich?", wollte sie dann wissen. Für Urlaube mit dem Partner und eine gute Zeit mit Freunden. Das ich außerdem spare, geht sie nichts an.

Nun mein Problem: Knausern, um das Wesentliche wertzuschätzen - das klingt perfekt.
Dass "Selbstbewusstsein" nichts mit Geldverschwendung zu tun hat, weiß ich. Aber ich denke, mein Konsumverhalten spiegelt mein fehlendes Selbstwertgefühl.
Beispiele:
- im Restaurant wähle ich immer im unteren Preisdrittel
(egal, wer zahlt - lade ich ein, habe ich kein Problem, wenn mein Gegenüber mit allem Pi-Pa-Po, Vorspeise und gutem Weinchen bestellt - ordentliches Trinkgeld für die Bedienung gibt es bei gutem Service gibt es auch)
- bin ich allein unterwegs (z.B. Radtouren), ist mir manchmal selbst die Kugel Eis zu teuer oder die Flasche Wasser vom Kiosk
- für meinen Schatz bringe ich gerne mal etwas besonderes zu Essen mit, das (nur/v.a.) ihn freut - für mich nicht, im Gegenteil: Esse ich allein, gehe ich garnicht einkaufen, sondern mixe einfach etwas wild aus dem Schrank zusammen
- muss Schatz viel Arbeiten, knauser ich meine Freizeit weg / cancel meinen Sport und mache den Haushalt allein (wobei er tlw. sogar seinen Anteil "einfordert" statt wie von mir gedacht die Beine hochzulegen)
- habe ich die Wahl, einen Film zu sehen, der mir gefällt oder meiner Begleitung

Leider verfalle ich immer wieder in die alten "die brave Frau denkt an sich selbst zuletzt" Lehrsätze. Knausern kann ich gut, nur davon an anderer Stelle zu profitieren, will ich mir nicht gönnen.
Wenn es so weitergeht, "verknausere" ich mir mit 90 die Alterspflege und hinterlasse lieber einen Haufen Geld für irgendein Kinderhilfswerk.

Kennt jemand diese Misere fehlender Selbstwertschätzung? Und wie habt ihr ein gesundes Mittelmaß gefunden, euch selbst genausoviel zuzugestehen wie geliebten Mitmenschen?

Re: Sich selbst beknausern ...
geschrieben von: Ango (IP-Adresse bekannt)
Datum: 14.08.2015 18:45

Moin Fischkopp,

auf Dich scheint der biblische Satz "Geben ist seliger denn Nehmen" (Apostelgeschichte 20,35) zuzutreffen.

Ich finde Du hast intuitiv erkannt, dass Menschen verschiedene (Konsum-)Bedürfnisse haben: Dein Schatz braucht scheint´s ein bisschen mehr, Dir reicht offenbar das Einfache.

Nur in Deinem Kopf scheint diese Erkenntnis noch nicht richtig angekommen zu sein, denn Du suchst ein "gesundes Mittelmaß" und willst Dir selbst gegen Deine innere Natur soviel zugestehen wie den anderen.

Warum eigentlich? Lass Dich doch von den Stimmen der anderen nicht kirre machen. Wenn Du so genügsam bist, dann sei doch froh und akzeptiere Dich so, wie Du bist.

Avatar Re: Sich selbst beknausern ...
geschrieben von: Lehrling (IP-Adresse bekannt)
Datum: 14.08.2015 20:23

fischkopp schrieb:
> Hallo zusammen,
> Nun mein Problem: Knausern, um das Wesentliche wertzuschätzen - das
> klingt perfekt.
> Dass "Selbstbewusstsein" nichts mit Geldverschwendung zu tun hat, weiß
> ich. Aber ich denke, mein Konsumverhalten spiegelt mein fehlendes
> Selbstwertgefühl.
> Beispiele:
> - im Restaurant wähle ich immer im unteren Preisdrittel
> (egal, wer zahlt - lade ich ein, habe ich kein Problem, wenn
> mein Gegenüber mit allem Pi-Pa-Po, Vorspeise und gutem Weinchen
> bestellt - ordentliches Trinkgeld für die Bedienung gibt es bei gutem
> Service gibt es auch)
warum wählst du da, weil es genug gibt was dir schmeckt oder weil es weniger kostet?
> - bin ich allein unterwegs (z.B. Radtouren), ist mir manchmal
> selbst die Kugel Eis zu teuer oder die Flasche Wasser vom Kiosk
> - für meinen Schatz bringe ich gerne mal etwas besonderes zu
> Essen mit, das (nur/v.a.) ihn freut - für mich nicht, im Gegenteil:
> Esse ich allein, gehe ich garnicht einkaufen, sondern mixe einfach
> etwas wild aus dem Schrank zusammen
> - muss Schatz viel Arbeiten, knauser ich meine Freizeit weg /
> cancel meinen Sport und mache den Haushalt allein (wobei er tlw. sogar
> seinen Anteil "einfordert" statt wie von mir gedacht die Beine
> hochzulegen)
> - habe ich die Wahl, einen Film zu sehen, der mir gefällt oder
> meiner Begleitung



> Leider verfalle ich immer wieder in die alten "die brave Frau denkt an
> sich selbst zuletzt" Lehrsätze. Knausern kann ich gut, nur davon an
> anderer Stelle zu profitieren, will ich mir nicht gönnen.
> Wenn es so weitergeht, "verknausere" ich mir mit 90 die Alterspflege
> und hinterlasse lieber einen Haufen Geld für irgendein
> Kinderhilfswerk.



> Kennt jemand diese Misere fehlender Selbstwertschätzung? Und wie habt
> ihr ein gesundes Mittelmaß gefunden, euch selbst genausoviel
> zuzugestehen wie geliebten Mitmenschen?

Du fühlst dich also weniger wert als alle anderen? unterste Stufe? Wie kommst du darauf? und was erwartest du als Gegenleistung dafür von den anderen? daß sie deinen wahren Wert erkennen und ihr Dank dir ewig nachschleift und dich nie erreicht? sie dir also immer etwas schuldig bleiben?
Das schlimmste was du deinen Mitmenschen antun kannst ist dich für sie aufopfern, damit sie ewig in deiner Schuld stehen.
Geben ist nicht seliger als nehmen, denn wenn alle selig werden wollen gibt jeder und es ist niemand da, der nehmen will!!!


Leider verfalle ich immer wieder in die alten "die brave Frau denkt an sich selbst zuletzt" Lehrsätze.

woher stammen diese Sätze, wer hat sie dir beigebracht?
und heute, wo du keine 5 Jahre, sondern um einiges älter bist, hast du da mal diese Sätze auf den Prüfstand gestellt und nachgesehen, ob diese Sätze berechtigt sind? Du machst heute sehr viel, was du mit 5 noch nicht konntest und nicht durftest - und da gibt es noch vieles mehr.

Mir hat das Beispiel meiner Mutter eingeleuchtet: Ich muß sorgen daß es mir gut geht, weil dann bin ich fähig auch dafür zu sorgen daß es anderen gut geht! Und für mein Wohlergehen bin ich zuständig, niemand anders!

liebe Grüße
Lehrling

Frei sein, heißt wählen können, wessen Sklave man sein will."
Jeanne Moreau (*1928), französische Schauspielerin und Regisseurin

Avatar Re: Sich selbst beknausern ...
geschrieben von: Goldilocks (IP-Adresse bekannt)
Datum: 16.02.2016 09:27

Hallo ihr lieben,
ich kann dein Problem wohl verstehen, fischkopp. Ich finde es sehr gut, dass du überlegst, welcher Teil von dir wirklich einfach sparsam sein möchte, was ja sehr gut ist! Und welcher Teil die eigenen Bedürfnisse nicht ernst nimmt und sich Sachen vergönnt, obwohl du sie anderen gönnen würdest.
Meine Lösung für dieses Problem ist, mir zwar ab und zu etwas wirklich Schönes zu gönnen. Und dennoch dabei nicht mehr auszugeben, als ich jemandem anderes auch ausgeben würde. Bei Kleidung darf das gerne auch etwas Auffälligeres sein, so es denn stilvoll ist und zu mir passt. Um nur selten für neue Teile Geld ausgeben zu müssen, kaufe ich eine hohe Qualität - aber dafür im Angebot. Beispielsweise brauche ich gerade neue Winterstiefel. Nun habe ich hier sehr schöne heruntergesetzte Stiefel von Emilia Lay gefunden. Diese werde ich auch im nächsten Winter noch tragen können. Vielleicht funktioniert ja für dich ein ähnlicher Weg. Viel Glück!

Liebe Grüße
Goldilocks

Re: Sich selbst beknausern ...
geschrieben von: Fräulein Nussbaum (IP-Adresse bekannt)
Datum: 19.02.2016 19:53

Das sind ja recht interessante Gedanken ... mich würde interessieren, ob du - fischkopp - darunter leidest, dass du dir nicht mehr zugestehen magst/kannst/willst. Stört es dich wirklich, oder ist es mehr so ein "eigentlich sollte ich für mich selbst auch genausoviel ausgeben"?

Liebe Grüße, Fräulein Nussbaum

Avatar Re: Sich selbst beknausern ...
geschrieben von: Goldilocks (IP-Adresse bekannt)
Datum: 03.03.2016 09:35

Hallo Fräulein Nussbaum,
deine Nachfrage klingt für mich, als hättest du selber einen guten Umgang mit deiner Sparsamkeit? Darf ich fragen, wie du es selbst machst, das richtige Maß für dich und andere zu finden? Ohne dich (zu deiner eigenen Unzufriedenheit) hintenan zu stellen, weil das so erlernt ist?

Grüßlein von
Goldilocks

Re: Sich selbst beknausern ...
geschrieben von: Biggy (IP-Adresse bekannt)
Datum: 04.03.2016 14:17

In einigen Sachen die du beschreibst, könnte ich mich selbst finden, aber ich arbeite daran. Man muß lernen auch seine eigenen Wünsche auszusprechen, es ist ein nehmen u. geben in der Partnerschaft. Wenn dein Partner dir helfen will im Haushalt, nimm es an. Wenn du was mitbringst für ihn, dann bitte für dich auch was, du hast es dir genau so verdient. Macht doch keine Freude, zuzusehen u. selbst an den Resten vom Kühlschrank zu kauen.

Auch wirst du deinen Radausflug mehr genießen, wenn du dir ein Wasser gönnst u. dein Körper dankt es dir.

Kein Verständnis habe ich, wenn ich jemanden einlade u. er bestellt unangemessen teuer, da würde ich mich ausgenutzt vorkommen, echte Freunde machen so was meiner Meinung nach nicht.

Knausern ja, aber sich nicht selbst außer Acht lassen.

Biggy

Re: Sich selbst beknausern ...
geschrieben von: Fräulein Nussbaum (IP-Adresse bekannt)
Datum: 05.03.2016 20:10

Hallo Goldilocks,

Ich bin mit meinem Maß an Sparsamkeit zufrieden. Was ich anderen vergönnt bin - Beispiel Restaurantbesuch - das gesteh ich mir selber auch zu. Allerdings nicht zwingend, also - um beim Beispiel Restaurantbesuch zu bleiben. Wenn ich zahle, und ich habe der eingeladenen Person signalisiert, dass es mir egal ist in welcher Preisklasse sie bestellt, dann ist es mir auch tatsächlich egal. Zum einen ist ein Restaurantbesuch für mich derart selten, dass ich es mir dann tatsächlich leisten kann, zum anderen würde ich es auch beschämend finden jemanden erst einzuladen und dann ein saures Gesicht zu ziehen, weil derjenige "zu teuer" bestellt - eingeladen ist eingeladen.

Ganz sicher ist das mit dem Sparen wesentlich entspannender, wenn man nicht MUSS, sondern KANN - die "sparen-müssen-Zeiten" sind glücklicherweise vorbei. Ganz sicher bin ich sehr sparsam erzogen worden, das kommt mir zugute. Dinge, die für mich ganz selbstverständlich sind, bestürzen andere regelrecht. grinning smiley

Liebe Grüße, Fräulein Nussbaum



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