ich bin der meinung, dass knausern bereits von anfang an politisch ist.
allerdings ist es eine alltagspolitik und deswegen vielleicht nicht so schnell als politisch erkenntlich.
ich schließe mich auch ango an. allerdings finde ich, sollte man nicht den begriff "konsumverzicht" sondern "konsumbefreiung" verwenden - denn das ist es ja eigentlich.
in einem vorlsungsteil zu glück, lebenszufriedenheit und lebensstandard (institut für soziologie wien) hab ich eine statistik gesehen, derzufolge der lebensstandard und der konsum seit den 1950ern rasant zugenommen, die lebenszufriedenheit seit den 1970ern allerdings abgenommen hat.
kosum macht nicht glücklich, konsumbefreiung (knausern) dagegen lässt platz für dinge, die einen wirklich glücklich machen: mehr zeit für zwischenmenschliche beziehungen, müßiggang, hobbies, ...
aber, was erzähl ich euch da, das wisst ihr ja alle schon
ich erzähl euch lieber was, was ich gerade gelernt hab und was ihr vielleicht auch interessant findet. und was ich einen weiteren grund finde, warum knausern schon im kern politisch ist.
ich schreibe gerade an meiner bakkalaureatsarbeit über unter anderem den
subsistenzansatz.
subsistenz ist alles, was mit der hervorbringung und erhaltung von leben zu tun hat. subsistenzarbeit ist also zum beispiel hausarbeit, kinderbetreuung, land/garten/waldwirtschaft (für den eigenen bedarf), nachbarschaftshilfe usw.
subsistenz(arbeit) ist die basis jeder gesellschaft, ohne subsistenzwirtschaft ist auch bei uns im westen keine warenwirtschaft möglich, denn subsistenz hat direkt mit dem überleben zu tun, warenwirtschaft ist dagegen schon (eher) luxus.
wichtig für die subsistenz sind dinge, die man als bäuerliche ökonomie zusammenfassen kann. genügsamkeit, bewusstsein über die endlichkeit und die grenzen des planeten und seiner ressourcen, geringe riskiobereitschaft, kein wettbewerbsdenken sondern das wissen, dass alle aufeinander angewiesen sind...
was ich interessant finde: das leben in einer bäuerlichen ökonomie (das ist ja eine kultur, die sich nicht auf die landwirtschaft beschränkt) lässt wegen der genügsamkeit viel zeit für müßiggang, viel zeit für sich und bietet um vieles weniger stresspotenzial als eine wirtschaft, die auf maximierung aus ist. also gut für die psyche
ein möglicher (nicht nur denkbarer) weg aus der jetzigen ökologie- und wirtschaftskrise ist die entwicklung von subsistenzgesellschaften. die werden je nach lebensweise anders aussehen, in der stadt anders als auf dem land, in guatemala anders als in österreich.
und das knausern hat für mich viel mit subsistenz zu tun.
und ich habe außerdem den verdacht, dass das einfache leben für immer mehr menschen (wenn auch nur langsam) attraktiv wird. denn die armut (an zeit, muße, guter luft, gesunder nahrung, ...) inmitten des warenüberflusses wird - kommt mir vor - doch immer mehr menschen bewusst und es wird nach alternativen gesucht.
und die dürfen doch gerne vielfältig sein

denn bestimmt gibt es noch mehrere zielführende methoden neben dem knausern (auch wenn mir spontan grad keine einfällt) - menschen sind ja immer so schön kreativ
es ist schwer, den ganzen subsistenzansatz in ein paar zeilen zu quetschen, deswegen für interessierte an dieser stelle mehr zum nachlesen:
der begriff subsistenz
vor allem das hauptwerk (gut gegliedert und verständlich):
Bennholdt-Thomsen, Veronika; Mies, Maria: Eine Kuh für Hillary. Die Subsistenzperspektive. verlag Frauenoffensive 1997
evtl. auch diese artikelsammlung (u.a. mit einem artikel darüber, wie susbistenz auch in der stadt problemlos möglich ist - diesen artikel hab ich aber kopiert daheim, wer interesse hat):
von Werlhof, Claudia; Bennholdt-Thomsen, Veronika; Faraclas, Nicholas (Hg.): Subsistenz und Widerstand. Alternativen zur Globalisierung. Promedia 2003
liebe grüße,
tordis
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.04.10 10:23.